Coole Kids spielen nicht miteinander

November 1, 2016

Am vergangenen Wochenende fand zum sechsten Mal das Zinefest Berlin statt. Zines, das sind diese fotokopierten Hefte die man damals in den Achtzigern brauchte um der Welt seine Meinung mitzuteilen, denn Blogs gab es noch keine. Viele Menschen machen auch heute noch Zines und für einige davon ist ein Grund für die Wahl des Mediums, dass man für Papier in Kleinstauflage nicht sofort vom gesamten Internet gehatet wird.

Denkste! Denn auch das Zinefest ist anscheinend im Internet angekommen und so regen sich nun ein paar Leute über die Veranstaltung letztes Wochenende auf. Schauen wir uns diese Klagen doch mal an.

Zunächst beschwert sich ein Mitbetreiber eines Comicladens, welcher sich in den vergangenen Jahren mehrmals weigerte Plakate fürs Zinefest aufzuhängen, darüber dass es zu wenig Werbung für die Veranstaltung gab. Was er außerdem einfordert, ist das Beherrschen der Amtssprache Deutsch; Diese zugezogenen Zine-Hipster haben es nämlich gewagt, alle unterschiedslos auf Englisch anzusprechen.

Hauptaufreger war aber anscheinend die Safer Space Policy, die recht eindeutig Stellung bezog in der derzeitigen Cultural-Appropriation-Debatte. Coole Weiße Kids tragen keine Dreads!
(An dieser Stelle möchte ich betonen dass ich dieses Jahr nichts mit dem Zinefest zu tun hatte und nie eine Veranstaltung mit Dresscode organisieren würde, auch wenn ich vielleicht als Privatperson Leuten sagen würde, dass ihre Frisur kacke ist.)

Kritik gab es aber nicht nur aus den Reihen der Fünfzigjährigen, die den Critical-Whiteness-Schuss noch nicht gehört haben. Auch die Fraktion der Leicht-zu-Triggernden fühlte sich dieses Jahr auf dem Zinefest nicht komplett wohl. Wobei diese beiden …

… Tweets nicht das Zinefest an sich kritisieren sondern nur einzelne Hefte – das eine machte wohl den Fehler Muschis und “Girls” in einen Zusammenhang zu stellen. Das andere einen dummen Witz über das vermeintlich bessere Sexleben von Feminist*innen. Beide Zines wurden damit ihrem umfassenden Inklusionsanspruch nicht gerecht und folglich für den Rest der Veranstaltung vom Tisch entfernt.

Manchmal sind Dinge die nicht so sind wie man selbst sie gemacht hätte, schwer zu ertragen. Manchmal sind sie aber auch interessant, diskussionsanregend und daseinsberechtigt. Sonst bleibt man ja immer nur in der eigenen Suppe und kriegt gar nicht mit, was für schräge Leute sonst noch so Kram machen. Als ich das Berliner Zinefest 2011 gründete, geschah das in der Absicht, mal alle Szenen die in Berlin noch diese komischen selbstkopierten Heftchen herstellen, in einen Raum zu bringen – die Comicleute, die Feminist*innen, die paar wenigen übriggebliebenen Punks. Im Moment sieht es aber ein bisschen so aus, als wollen diese verschiedenen Zine-Szenen gar nicht im selben Raum sein.

Nagut. Dann vielleicht besser nicht.

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