mein schönstes Ferienerlebnis

September 12, 2014

deportation

Das muss man erst mal hinkriegen, derart eine Reise zu versemmeln. Mein Südafrika-Trip endete in Deportation. Ich erklär mal kurz wie man das macht:
Die Seychellen sind eine niedliche Inselgruppe randvoll mit endemischen Arten. Größtenteils nicht giftig. Deshalb dachte ich mir auch nichts weiter dabei, einen längeren Stopover auf dem Weg in den Urlaub zu buchen. Da dort wohl keine unbeheimateten Backpacker akzeptiert werden, schnell noch ein nettes AirBnB geklickt, die Einreiseanweisungen der Gastgeberin ausgedruckt und ihr als Begrüßungsgeschenk ne Flasche Wein eingepackt.
Diese zerbrach dann bedauernswerterweise auf dem Hinflug und weichte meinen gesamten Rucksackinhalt ein. Bei der Einreisekontrolle wurde er rausgeholt und zur genaueren Untersuchung zur Seite gebracht.

Der erste Gegenstand der nicht zu gefallen schien, waren die ausgedruckten Emails meiner Gastgeberin. Ich war mir auch gar nicht sicher ob ich anderen die kompletten Mails zeigen durfte aber die Kontrollperson beruhigte mich: “There is nothing private here.” Was der Grenzkontrolle missfiel war dass in einer Emailsignatur eine andere Adresse angegeben war als ich – den Anweisungen meiner Gastgeberin folgend – auf dem Einreiseformular angegeben hatte. Außerdem war ihnen der Privatkontakt ohnehin suspekt. Wenn ich zum ersten Mal hier war, wie konnte ich dann jemanden kennen? Die Antwort “Internet” wurde erwidert mit “you can’t trust social networks.”
Und wenn ich jemanden kennen würde bei dem ich unterkomme, warum wurde ich dann nicht abgeholt? Viele Fragen, beispielsweise nach der gesamten Reisedauer oder wann ich den Flug gebucht hatte, konnte ich auch nicht sofort aus dem Kopf beantworten und musste Notizen konsultieren. Damit fing ich wohl endgültig an verdächtig zu wirken.
Verdächtig war außerdem meine Art zu reisen: Sie wollten mir nicht glauben dass ich allein reise und nicht alles durchgeplant habe. Es wurde bezweifelt dass man auf diese Art reisen kann oder gar Couchsurfen. Ich meinte doch klar, mache ich oft. Das wurde hinterfragt und mir zum Beweis vorgeworfen dass ich laut Pass ja noch nirgends gewesen sei. Mein ein Dreivierteljahr alter Pass hat nämlich erst zwei andere Stempel… Vor allem allein nach Südafrika zu wollen, hielten sie für unmöglich und absurd gefährlich.

Ich war vorher schon nervös aber als mehrere Grenzkontrollleute anfingen, den ganzen Rucksack auszupacken und meine Notizbücher mit tagebuchartigen Einträgen zu lesen, hab ich wohl ein bisschen zu sehr das Gesicht verzogen. Man versuchte mich zu beruhigen, es sei Standardvorgehen. Irgendwie gelang es mir nicht, sie zu überzeugen dass ich keine Angst vor illegalen Fundstücken hatte, sondern es mir einfach peinlich war.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt machte ich offensichtlich nur noch Fehler. Als ich gefragt wurde, wer mein Ticket für mich gekauft hatte, antwortete ich wahrheitsgemäß. Ich hatte damals noch kein Onlinebanking oder Kreditkarte und die Buchung deshalb an einen Freund delegiert. Rückblickend betrachtet hätte ich das auch verschweigen können denn aus meinen Unterlagen ging es gar nicht hervor und es rief nur noch mehr irritierte Blicke hervor. Inzwischen war ich anscheinend auch unfähig glaubhaft zu machen, dass ich tatsächlich das Land bereisen wollte “because you know nothing about it – you’re here for something else!” Außerdem wurde mir wiederholt vorgeworfen betrunken zu sein (weil mein Gepäck nach Alkohol roch).

Und dann packten sie den Vibrator aus.

Fünf oder mehr Sicherheitsbeamte hatten sich inzwischen um mein Gepäck versammelt und glotzten nun grinsend bis angewidert mein Sexspielzeug an. Das war zwar der klassische im-Boden-versink-Moment aber noch nicht der Tiefpunkt des Tages.

Als nächstes wurden meine 700 Euro Bargeld für zu wenig zum Reisen befunden und der Geldautomat weigerte sich, den Kontostand meiner Kreditkarte mitzuteilen.
Ich wurde dann von drei Sicherheitsleuten in einen Raum gebracht, um “endlich die Wahrheit” zu sagen. Naja okay, also eigentlich war das ganz cool. Genau wie ich gerne mal in einer Drogenkontrolle mit Spürhund sein würde, wollte ich ja schon immer mal sehen wo die Leute mit den rausgezogenen Koffern hingebracht werden und was dort passiert.
Ich sei nicht die erste die in den Befragungsraum müsse und dort würden sie dann alle die Wahrheit sagen, wurde mir mitgeteilt. Danach dürfe ich auch einreisen. Ich war ernsthaft am überlegen ob ich mir irgendeine “Wahrheit” ausdenken sollte, die sie vermutlich hören wollten und dann Strafe zahlen oder in ein anderes Hotel gehen. Ich wusste nur nicht was es sein könnte was sie hören wollen würden.
“What are you really here for?”
“I’m really just here to travel.”
“Your clothes tell me differently.” Wenn ich wirklich reisen wollte, hätte ich nicht nur diese Klamotten dabei.
In der etwas naiven Hoffnung sie damit überzeugen zu können, packte ich also meinen Rucksack erneut aus und zeigte dass ich sehr wohl viele weintriefende Kleidungsstücke hatte!
Die Reaktion war kurz und kompromisslos; “You can’t wear this here!” Ich nehme an dass es wohl nicht um die Anzahl meiner Klamotten sondern um die Art ging. So ganz aufgeklärt wurde das aber nicht denn direkt danach wurden erstmal wieder Sextoys Thema. “You’re not here on vacation, you’re here to meet men!”
Ich so: “I know this doesn’t look good. But it is just for private use!”
Die so: “Why would you bring this if you’re visiting someone”
Ich so: “I might still be by myself at night…?”
Inzwischen hatte ich die Hoffnung mich da rausreden zu können schon völlig aufgegeben.

Als Lösung für mein Problem wurde mir angeboten drei Tage in einem Hotel ihrer Wahl zu bleiben und meinen Flug dann kostenpflichtig zu re-routen: direkt nach Hause statt Südafrika. Ich verstand nicht ganz was das bringen sollte wenn das Problem meine Einreise war. Mir wurde erklärt dass ich viel zu wenig Geld hätte und alles auf den Seychellen würde ausgeben müssen und dann in Südafrika nichts mehr hätte. Ich lehnte das Angebot ab.

Also wurde ich sofort deportiert. Deportiert werden läuft für weiße Europäerinnen ungefähr so: Man bekommt den Pass weggenommen und einen Platz zum warten zugeteilt. Irgendwann kommt jemand mit dem Pass und geht woanders hin, also soll man folgen. Und so geben dann verschiedene Airline- und Flughafenangestellte den Pass wie eine unsichtbare Hundeleine weiter und man läuft solange hinterher bis man am Zielflughafen angekommen ist. Dort gibt’s dann nach 2 Tagen unterwegs, darunter 20+ Stunden Flugzeit den Pass zurück aber das Gepäck wurde unterwegs verbummelt. Naja, wenigstens Etihad geflogen, die haben gute Filme.

    Comments (1) | More: blog

One Response to “mein schönstes Ferienerlebnis”

  1. Kaspi says:

    Krasse Geschichte. Ich bin immer wieder verwundert über das Mittelalter im 21. Jahrhundert. Wenigstens haben sie im offiziellen Wisch doutful[sic!] falschgeschrieben… :)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *